Herstellung

Schmieden

Ob ein Messer geschmiedet werden muss oder nicht, daran scheiden sich oft die Geister.
Tatsache ist, durch das Schmieden ist es möglich (wenn es bei den richtigen Temperaturen durchgeführt wird) eine feinere Körnung des Stahls zu erzielen und dadurch ein stabileres, flexibleres Gefüge zu erzeugen. Allerdings wird moderner Stahl normalerweise schon ab Werk mit einem sehr feinen und homogenen Gefüge ausgeliefert und ist viel zuverlässiger durch eine korrekte Wärmebehandlung einzustellen, die nach dem Schmieden sowieso durchgeführt wird.

Da ich vorwiegend Replikate und Nachbauten historischer Essmesser herstelle und auch mit der Produktion möglichst nah am Original liegen möchte, habe ich mich dazu entschieden meine Messer hauptsächlich durch Schmieden herzustellen. Für viele Prozesse ist das Schmieden auch unumgänglich. Raffinierstahl, Damaststahl und Schweißverbundstahl sind nur durch Schmieden herzustellen. Auf der anderen Seite gibt es Stahlsorten bei denen es keinen Sinn machen würde das Schmiedeverfahren anzuwenden, z.B. pulvermetallurgische Stahlsorten und einige hochlegierte Stähle, die nur sehr schwer zu schmieden sind und dadurch leicht ruiniert werden könnten.

Wärmebehandlung

Eine sorgfältige Wärmebehandlung ist für die Herstellung von qualitativ hochwertigen Messern Pflicht. Ein exzellenter Stahl kann durch eine minderwertige Wärmebehandlung einem schlechteren Stahl mit einer sorgfältigen Wärmebehandlung unterlegen sein.

Übereutektoide Stähle müssen vor dem Härten gründlich normalisiert werden um ein möglichst feinkörniges Gefüge zu erreichen. Dadurch lassen sich die Messer feiner schleifen und halten eine feine Schneide länger, ohne auszubrechen. Außerdem verringert sich bei sehr harten Messern die Wahrscheinlichkeit, dass diese bei außergewöhnlichen Belastungen (Hebeln oder wenn das Messer auf harten Boden fällt) zerbrechen.

Diese Normalisierung muss je nach Stahl und Ausgangsgefüge mehrmals bei sinkenden Temperaturen durchgeführt werden.

Bei der eigentlichen Härtung muss darauf geachtet werden, dass die Härtetemperatur möglichst exakt eingehalten wird, und dünne Schneidenbereiche nicht überhitzt werden. Am einfachsten geht dies in einem Härteofen bei dem eine Temperatur fest eingestellt wird und somit nicht überschritten wird. So wird das gesamte Messer gleichmäßig erhitzt. Nach einer gewissen Haltezeit (ca. eine Minute pro Millimeter Klingenstärke) wird das Messer entnommen und vorsichtig in warmen Rapsöl herunter gekühlt.

Dabei wird aus dem Austenit, das sich bei der Härtetemperatur bildet, das Martensit. Da dieses allerdings sehr empfindlich ist, sollte es direkt im Anschluss angelassen werden. Als ein guter Kompromiss aus Stabilität und Härte hat es sich ergeben die Messer jeweils bei 200°C 3 mal für eine Stunde anzulassen. Dabei bauen sich Spannungen ab und das Restaustenit, das nach der Härtung von Stählen mit mehr als 0,5% Kohlenstoff (also so ziemlich jeder Messerstahl) übrig bleibt, wandelt sich in Martensit um. Daher auch 3 Anlassvorgänge. Dabei wird weiteres Restaustenit umgewandelt und auch die Spannungen des neu erzeugten Martensits abgebaut. Je nach Einsatzzweck (Küchenmesser, Haumesser), kann die Anlasstemperatur auch geringer oder höher ausfallen.